Kein Ende bei der Diskussion um die Rotwildjagd

Das neue Jahr beginnt so wie das alte Jahre endete – die Lokalpresse im Erzgebirge ist durchsetzt von umgeschriebenen Pressemeldungen Artikeln über die Rotwildjagd im Forstbezirk Marienberg. Den Anfang machte noch am 30. Dezember ein offener Brief der Vorsitzenden des Hegerings Erzgebirge sowie der Kreisjagdverbände Marienberg, Zschopau und Annaberg. Sie kritisierten den Forstbezirk Marienberg und fordern zur Schadensabwehr äsungsverbessernde Maßnahmen wie Winterfütterung und das Zulassen gewohnter Wanderbewegungen. Denn, die Autoren haben auch eine simple Lösung der Probleme zur Hand, das Rotwild träte zur Nahrungsaufnahme aus dem Wald in offene Landschaft und schädige somit keine Bäume. Jahrezentelange Forschung von Wildbiologen hätten dies bestätigt, die Deutsche Wildtier Stiftung würde dies ebenfalls empfehlen.

Tatsächlich schreibt der Wildbiologe Dr. Helmuth Wölfel allerdings für das Symposium der Deutschen Wildtier Stiftung, dass in der Steiermark, wo Wintergatter mit Fütterung an der Tagesordnung sind, gleichzeitig die höchsten Schälschäden in Österreich quantifiziert wurden. Auch erscheint es generell fragwürdig, warum ein ‚Wildtier‘ gefüttert werden sollte. Einerseits wird dadurch die geforderte natürliche Abwanderung in tiefere Lagen unterbunden, andererseits stellt der Winter einen natürlichen Selektionsfaktor dar. Es würde auch niemand dieser Jäger auf die Idee kommen, den Rotfuchs im Winter mit Steaks zu füttern. Darüber hinaus bleibt offen welche Schuld der Staatsforst trägt, wenn Rotwild nicht in’s Offenland hinaustritt, weil ihm dort ebenfalls nachgestellt wird. Diese Feldreviere sind nicht in der Hand des Staatswaldes, sondern laufen unter der Regie von Privatjägern. Wahrscheinlich solche, die Unterzeichner des offenen Briefes sind.

Am 8. Januar untermauert Carsten Geißler, Vorstand der Hegegemeinschaft Osterzgebirge, die Forderungen des offenen Briefes. Er kritisiert außerdem die Durchführungen der Drückjagden im Winter als störend für den Energiehaushalt des Wildes aufgrund von Schnee und Frost.

Unabhängig davon, dass Schnee im Winter 2014/2015 ein bisher seltenes Ereignis darstellte, kann auch hier nur bekräftigt werden, dass ‚Wild’tiere durchaus an diese Umstände angepasst sind, Wolf, Luchs und Bär haben über Jahrmillionen darauf keine Rücksicht genommen. Der Wildbiologe Dr. Helmut Wölfel schreibt dazu nur profan, dass Wildtiere nicht gefüttert werden, weil es ihnen zu schlecht gehe, sondern weil es den Jägern zu gut geht.

Zum Schluss sollte man nochmals den Vorwurf der Durchführung von Drückjagden näher betrachten. Das Wild wird dabei für drei Stunden, also gerade einmal einen Vormittag, auf die Beine gebracht. Bei guter Durchführung und guten Schützen kann dabei ein großer Teil des jährlichen Abschussplanes zur Strecke kommen. Beispielsweise wurden bei der Gesellschaftsjagd im Lehrrevier 2012 knapp 40 Stück Schalenwild zur Strecke gebracht. Jeder Jäger kann aus eigener Erfahrung bestätigen, dass eine ungleich höhere Zahl an Einzelansitze nötig wären um die gleiche Zahl Rehe oder Sauen zu erlegen. Doch diese permanente Beunruhigung (Nachtansitz auf Sau, Kirrfahrten etc.) stellt dabei eine viel größere Beunruhigung des Wildes dar und sorgt dafür, dass es scheu und nachtaktiv wird. Im direkten Vergleich erscheint die Drückjagd damit deutlich störungsärmer – und folglich auch weidgerechter.

Winterliche Drückjagd im Lehrrevier. Einen vormittag wird beunruhigt, dafür liegen knapp 40 Stück auf der Strecke.  Um die gleiche Zahl über Einzelansitze zu erbringen wäre eine ungleich höhere Anzahl von Ansitzen und damit eine permanente Beunruhigung notwendig.
Winterliche Drückjagd im Lehrrevier 2012. Einen Vormittag lang wird beunruhigt, dafür liegen knapp 40 Stück auf der Strecke und für den Rest des Winters kann Ruhe einkehren.
Um die gleiche Zahl über Einzelansitze zu erbringen wäre eine ungleich höhere Anzahl von Ansitzen und damit eine permanente Beunruhigung notwendig.

Dass die aktuellen Zahlen eher von einer Überpopulation des Rotwildes im fraglichen Gebiet sprechen als von einem Totalabschuss, haben wir bereits in einem früheren Artikel vorgerechnet. Es bleibt demnach zu hoffen, dass der Forstbezirk weiterhin am Ziel des Waldumbaus unter angepassten Wilddichten festhalten wird. Denn der Umbau der Fichtenreinkulturen in zukunftsfähige Bergmischwälder ist tatsächlich ein Aspekt, den wir den uns folgenden Generationen schuldig sind.

Der ÖJV Sachsen wünscht fröhliche Weihnachten

Der Weihnachtsabend 1971 stellte für das Fernsehen eine Besonderheit dar: Anstelle von Stille Nacht und fröhlicher Bescherung tritt Horst Stern vor die Kamera des ersten deutschen Fernsehens. Der Journalist und Ökologe prangert zur besten Sendezeit in „Bemerkungen über den Rothisch“ die Auswüchse und Verfehlungen der Jagd an. Es wird sein wohl folgenreichster Film, er wird Anstoß für vielerlei Diskussionen und jagdliche Gesetzesänderungen.

Horst Stern recherchierte für seine Beiträge der Reihe ‚Sterns Stunde‘ oft jahrelang und intensiv. Er äußerte seine Meinung zu einem Thema erst nachdem er mit allen Beteiligten gesprochen und diskutiert hatte. Durch die hohe Qualität avancierte seine Serie seinerzeit bald zu einem Publikumsmagneten.

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Obwohl viele seiner Beiträge auch heute wenig an ihrer Aktualität verloren haben, ist Stern für viele in Vergessenheit geraten. Den Rothisch allerdings können sie sich auf YouTube ansehen. Mit diesem Filmtipp möchten wir Sie in die Feiertage schicken. Der ÖJV Sachsen wünscht Ihnen und ihrer Familie ein frohes Fest!

Präzedenzfall in Badem-Württemberg: Genehmigung für Schalldämpfer stattgegeben

Gute Nachricht erreicht uns heute von der Seite des ÖJV Bundesverbands: Erstmals wurde der Klage zur Genehmigung eines Schalldämpfers stattgegeben. Entscheidend dafür war nicht, dass der Kläger von Berufs wegen zur Jagd verpflichtet ist, sondern die allgemeine Handlungsfreiheit (§2. Grundgesetz), die es ermöglichen muss, dass eigene Gehör zu schützen.

Mehr zum Thema erfahren Sie auf der Seite des ÖJV
Hier geht es zur Urteilsbegründung

Wir begrüßen diese Entscheidung. Auch der ÖJV Sachsen setzt sich für die Legalisierung des Schalldämpfers zur Jagd und damit für die Abschaffung des entsprechenden Verbotes nach §18 (1) Nr. 3 des Sächsischen Jagdgesetzes ein.

Winterkolloquium 2015: Ulrich Wotschikowsky kommt nach Tharandt

Wir freuen uns Referenten und Thema für das anstehende Winterkolloquium bekannt geben zu können: Ulrich Wotschikowsky spricht über „Wölfe – das Ende der Jagd?“

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Wo? Tharandt, Judeichbau (Pienner Str. 19)
Wann? 21. Januar 2015, 19 Uhr

Der Eintritt ist frei. Alle Jäger, Förster, Studenten und Interessierte sind herzlich eingeladen.

Abschussplan nicht erfüllt – Jäger im Allgäu muss 19.000€ nachzahlen

Statt der 85 Stücken Rotwild im Abschussplan hatte der Jäger nur 9 Stücken erlegt. Geklagt hatte das Landratsamt Oberallgäu. Vor Gericht sagte auch ein Sachverständiger aus, dass der Verbiss zu hoch sei.

Die betreffenden Reviere sind Teil der Bergwaldoffensive, einem Projekt der Bayerischen Forstverwaltung zur Umformung der Fichtenreinbestände in einen artenreichen und stabilen Bergmischwald. Dafür wurden 7,5 Millionen Euro Steuermittel im Zeitraum von 2008-2011 bereit gestellt.

Quellen:
Lokalnachrichten zum Urteil
Bergwaldoffensive

 

Wald-Wild-Forum 2014

Der „Wald-Wild-Konflikt“ brachte 2010 die Diskussion über stabile Mischwälder  im Hinblick auf die Höhe der deutschen Schalenwildbestände erneut in Fahrt. Zwei Jahre später wurde diese in Form des Wald-Wild-Forums fortgesetzt. Mittlerweile fand das zweite Forum am 14. Oktober in Göttingen mit rund 300 Teilnehmern statt. Interessierte können die Zusammenfasung der Beiträge auf http://wald-wild-forum.de/unterlagen/ herunterladen.

Tharandter Altbau aufgrund loser Trophäen teilweise gesperrt

Wer sich dieser Tage in das Hauptgebäude der Fachrichtung Forstwissenschaften begiebt, muss die Seitenaufgänge nutzen, denn das Atrium ist momentan gesperrt. Grund dafür sind die mächtigen Geweihe im Gebäude, die sich aus der Verankerung zu lösen drohen und bis zu zehn Meter über dem Boden angebracht sind.

Der Trophäenkult wird uns eines Tages auf den Kopf fallen. Ein Schelm, wer böses dabei denkt.

Neuigkeiten des ÖJV Sachsen

Die Seite des ÖJV Sachsen hat in dieser Woche einige Updates erfahren. So kann man sich nun über das Lehrrevier, sowie auf dessen Unterseiten über die vorkommenden Wildarten und die durchgeführte Jagdpraxis informieren. Gleichzeitig bildet das Lehrrevier eine Anlaufstelle für interessierte Jagdscheinanwärter und engagierte Jäger, die auf der Suche nach einer Jagdgelegenheit sind.

Weiterhin steht nun auch der Termin für das alljährliche ÖJV-Winterkolloquium in Tharandt fest. Es wird am 21. Januar 2015 (Mittwochs) stattfinden. Referent und Thema werden zeitnah bekannt gegeben.